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Daniela Joss - Märchen

Märchen ••• Geschichten

 

Märchen - Seite 2

Der Traumzug

Autorin Daniela Joss
 
Es war einmal ein Zug, der nur nachts fuhr — lautlos, warm leuchtend und verborgen vor den Augen
der meisten Erwachsenen. Man nannte ihn den Traumzug. Hoch über den Wolken, wo der Himmel
weich wie Watte ist und der Mond die Wege beleuchtet, rollte der Zug auf schimmernden Schienen
aus goldenem Licht. Seine Lokomotive atmete keinen Rauch wie andere Züge,
sondern funkelnde Traumfunken, die in der Luft zu kleinen Sternen wurden.
Jede Nacht, wenn Kinder einschliefen, startete der Zug seine Reise.
 
Daniela Joss - Märchen
 
Der Lokführer war ein alter, freundlicher Hüter der Phantasie.
Neben ihm arbeiteten kleine geflügelte Helfer und Tim der Elf.
 
 
Sie sammelten Träume in gläsernen Kugeln. Abenteuerträume voller Drachen und mutiger Heldinnen.
Kuschelige Träume mit sprechenden Tieren. Lustige Träume, in denen man fliegen oder auf Wolken
springen konnte. Die Waggons waren voller Regale mit diesen Traumkugeln. Jede Kugel trug leise den
Namen eines Kindes. Wenn der Zug über ein Haus fuhr, öffneten sich kleine Fenster im Dach der Waggons.
Die Helfer liessen die passenden Träume sanft wie Schneeflocken hinabgleiten. Die Träume fanden ihren Weg,
durch Fenster, unter Türen, durch die leisen Ritzen der Nacht... direkt in die Herzen der schlafenden Kinder.
 
Manchmal, wenn ein Kind traurig oder ängstlich war, hielt der Zug etwas länger an. Dann schickte er
besonders helle Träume. Träume von Mut, Träume von Freundschaft, Träume davon, dass alles gut wird.
Kurz vor Sonnenaufgang kehrte der Zug zurück in sein verborgenes Depot zwischen Sternen und Wolken.
Dort wurden neue Träume vorbereitet für die nächste Nacht. Und wenn ein Kind morgens aufwachte und sagte

„Ich hatte so einen schönen Traum!“

Dann lächelte irgendwo hoch über den Wolken der Traumzug und machte sich bereit für seine nächste Reise.
 
Daniela Joss - Märchen
 
Eines Abends schlief ein Kind namens Mali besonders tief ein. So tief, dass ihr Traum heller leuchtete
 als sonst. Hoch oben bemerkten die Traumhelfer das sofort. „Oh! Dieser Traum ruft uns“, flüsterte eine Elfe.
Der Traumzug verlangsamte seine Fahrt. Ein Fenster im letzten Waggon öffnete sich....und ein
weicher Strom aus Sternenlicht floss hinunter zu Malis Zimmer. Doch diesmal geschah etwas Unerwartetes.
Statt dass nur ein Traum zu ihr kam, wurde Mali ganz leicht. So leicht wie eine Feder.
Und langsam schwebte sie nach oben, durch ihr Zimmer, durch die Nacht...
 bis sie sanft im Traumzug landete. Als sie die Augen öffnete, stand sie mitten in einem Waggon voller
leuchtender Traumkugeln. „Keine Angst“, sagte eine freundliche Stimme. Vor ihr stand der Lokführer.
Sein Mantel sah aus wie der Nachthimmel, übersät mit kleinen Sternen.
 „Du bist hier, weil dein Herz heute besonders stark geträumt hat“, erklärte er.

Mali durfte den ganzen Zug erkunden. Sie sah, wie neue Träume gemischt wurden... ein bisschen Mut,
ein bisschen Phantasie, ein bisschen Erinnerung an schöne Tage.
Sie durfte sogar helfen, eine Traumkugel zu gestalten...
 
Daniela Joss - Märchen
 
...einen Traum für ein anderes Kind, das Angst vor dem ersten Schultag hatte.
Mali baute einen Traum, in dem das Kind neue Freunde fand, viel lachte und glücklich war.

Bevor der Morgen kam, brachte der Zug Mali zurück in ihr Bett.
Als sie aufwachte, dachte sie zuerst, es wäre nur ein Traum gewesen.
Doch auf ihrem Nachttisch lag ein winziger, funkelnder Stern.
Und tief in ihrem Herzen wusste sie... der Traumzug fährt jede Nacht.

Und manchmal — nur manchmal — nimmt er jemanden mit.
 
 

Albaternenross

Autorin Daniela Joss
 
Tief unter den glitzernden Wellen, dort wo Sonnenlicht nur noch als blasser Traum existiert,
lebte ein seltenes Fabelwesen.

der Albaternenross... geboren aus der Anmut eines Albatros
und dem geheimnisvollen Leuchten eines Tiefsee-Laternenfisches.
 
Daniela Joss - Märchen
 
Einst zog ein gewaltiger Sturm über den Ozean. Ein alter Albatros kämpfte tagelang gegen Wind und Wellen.
Er verlor die Kraft und stürzte ins Meer. Doch statt zu sterben, sank er tiefer und tiefer in die Dunkelheit,
bis ihn ein uraltes Meeresleuchten umhüllte. Es war die Essenz eines uralten Laternenfisch-Schwarms.
Aus dieser Verschmelzung entstand ein neues Wesen.
Als der Albaternenross zum ersten Mal seine Flügel ausbreitete, glitten schimmernde Schuppen
zwischen seine Federn. Eine sanfte Lichtlaterne wuchs aus seiner Stirn und leuchtete wie ein warmer Stern
in der Finsternis. Von da an wanderte er zwischen zwei Welten.
 
Daniela Joss - Märchen
 
Er flog über den Ozean und schwamm durch die tiefsten Meeresgräben. Viele Meeresbewohner glaubten,
er sei ein Wächter verlorener Seelen. Seeleute erzählten sich, wer sein Licht sieht,
findet immer wieder nach Hause.

 Drei besondere Eigenschaften hat der Albaternenross

 1. Sternenlicht-Laterne
Seine Stirnlampe kann nicht nur Licht erzeugen... sie zeigt Lebewesen den Weg zu dem,
was sie am meisten brauchen... Heimat, Hoffnung oder Sicherheit.

2. Grenzwelten-Wanderer
Er kann mühelos zwischen Himmel, Wasseroberfläche und Tiefsee wechseln.
Dabei verändert sein Körper automatisch Dichte, Temperaturresistenz und Drucktoleranz.

3. Erinnerungsfedern
Wenn er eine Feder verliert, speichert sie die schönsten Erinnerungen des Ortes, an dem sie gefunden wird.
Wer sie berührt, erlebt diese Momente als lebendige Vision.
 
 

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Signatur - DanielaJoss
 
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Daniela Joss