Ein Naturbad funktioniert durch biologische Wasseraufbereitung, ohne den Einsatz von Chlor oder anderen chemischen Zusätzen. Das Wasser wird durch einen Kreislauf gereinigt, der sowohl Schwimmzonen als auch Regenerationszonen mit Pflanzen und Mineralien umfasst.
Das Wasser fliesst in spezielle Zonen, die mit Wasserpflanzen bepflanzt und mit Mineralien, z. B. Kies, ausgelegt sind – sogenannte Regenerationszonen.
Naturbäder beherbergen eine Vielzahl von Mikroorganismen, die als Biofilm auf den Pflanzen und im Boden wachsen. Die Mikroorganismen verarbeiten die im Wasser und auf dem Bodengrund vorhandenen organischen Reststoffe (zum Beispiel abgestorbene Pflanzen, Schlamm, Hautpartikel und so weiter). Sie treten mit den Algen, die sich im Regenerationsbereich entwickeln, in eine Nahrungskonkurrenz und verhindern so ungehemmtes Algenwachstum (Eutrophierung).
Wasser wird aus der Schwimmzone durch die Regenerationszone gepumpt, wo es gereinigt wird. Im Naturbad Thalheim dient ein angrenzender Froschteich mit intaktem Ökosystem als zusätzlicher natürlicher Filter für das Badebecken. Der Wasserkreislauf ist geschlossen. Das Wasser wird kontinuierlich gereinigt und wieder in die Schwimmzone zurückgeleitet.
Naturbäder erfordern eine regelmässige Pflege und Kontrolle des Ökosystems. Die Regenerationszonen benötigen Zeit, um ihre volle Leistungsfähigkeit zu entwickeln. Das heisst, z. B. Wasserpflanzen müssen eine gewisse Grösse haben, um effizient zu arbeiten. In der Anfangsphase eines Naturbades kann es zu Algenwachstum kommen, das sich aber mit der Zeit normalisiert.
Ein Naturbad kann nur funktionieren, wenn die Badegäste sich bewusst sind, wie schnell ein funktionierendes Ökosystem aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann. Darum: Duschen vor dem Baden! Keine Sonnencreme, keine Hautlotionen, Deos und dergleichen sollen ins Wasser gelangen.
Am Morgen in der Früh, wenn noch fast alle schlafen, ist ein Rundgang beim Naturbad sehr interessant. Es sind schon Badegäste da. Solche, die sich tagsüber, wenn viel Betrieb ist, lieber verstecken. Jetzt sind sie an der Seite des Beckenrandes, an den die aufgehende Sonne scheint, in Scharen, dicht unter der Wasseroberfläche, beim Sonnenbaden anzutreffen.
Molche schauen ganz interessiert aus dem Wasser,
Doch bei der geringsten Bewegung tauchen sie sofort ab.
Sobald die ersten Badegäste eintreffen und ruhig ihre Runden schwimmen, sind die Molche und Kaulquappen weg und warten darauf, dass sie das Naturbad wieder für sich alleine haben.
Dass Mensch und Natur sich Wasser teilen können, wird hier in Thalheim auf eindrucksvolle Art und Weise
demonstriert. Zuerst war ich ehrlich gesagt erschrocken, als ich die Kinder mit ihren kleinen Eimern sah.
Beim näheren Hinsehen wurde jedoch deutlich, wie sorgfältig sie mit den Molchen umgingen. Für die Kinder
war es ein spielerisches Kennenlernen der Natur – ein Erlebnis, das bei vielen sicher lange in
Erinnerung bleibt.
Ich sprach die Kinder darauf an und bekam sofort eine energische Antwort: 'Bist du verrückt?
Die dürfen doch gar nicht aus dem Wasser!' Sie erklärten mir, dass die Molche nach kurzer Zeit
wieder zwischen den Wasserpflanzen freigelassen werden. Auch die Eltern erzählten, dass sie
diesen achtsamen Umgang mit der Natur schon als Kinder gelernt hatten. Genau dieses selbstverständliche
Miteinander von Mensch und Natur hat mich beeindruckt.
Viele von uns haben als Kinder die Natur auf diese Weise entdeckt. Solche Erlebnisse wecken oft eine
lebenslange Wertschätzung für Tiere und ihre Lebensräume.
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